Freitag, 30. Januar 2015

St. Theresia in Finow III: Entwürfe Josef Bachems


Die Geschichte dieser Gemeinde und der Kirche ist typisch für die katholischen Christen in der brandenburgische Diaspora. Statt Finow und St. Theresia könnten hier auch viele andere Orte und Patrozinien stehen. In einer kleinen Reihe sollen deshalb die Verläufe am Beispiel Finow nachgezeichnet werden.
Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben!


Als ein erneuter Anlauf in Sachen Kirchenbau gestartet wurde, griff man nicht auf den Vorentwurf Kühns zurück. Vielleicht lag dies auch daran, das Carl Kühn nunmehr als Diözesanbaurat, laut Ernennungsmitteilung im Amtsblatt, keine eigenen Entwürfe ohne bischöfliche Zustimmung liefern durfte.
Wahrscheinlicher scheint es jedoch zu sein, dass der als "modern" gehandelte und jüngere Architekt
Josef Bachem aus Berlin-Johannisthal, der mittlerweile seinen expressionistischen Durchbruch mit der St. Augustinus-Kirche im Prenzlauer Berg hatte feiern können, angesagter war als der "olle" Kühn.

Diese, vermutlich, erste  Entwurfsvariante (links) zeigt zwei Anbauten, die über den Grundriss der Kirche hinausreichen und einen Eingang mit halbrunder Flügeltür. Die 2. Zeichnung (rechts) hat nun ein eckiges Portal und kürzere Anbauten, diese werden beim dritten Plan türlos ausgeführt.







Bei den Seitenansichten sind die Veränderungen geringer, lediglich die 1. Version fügt die Fenster zu drei Paarfenstern zusammen, denen im Bereich des Altarraumes ein Rundfenster hinzugegeben wird. Bei zwei (rechts) und drei (unten, Mitte) ändert sich diese Anordnung zu sechs Einzelfenstern, verändert hat sich hier auch die Gestalt des Anbaus an der Rückseite.














Die Rückseite ist nun am auffälligsten in den Unterschieden bei den drei Entwurfsfassungen.
Links ist wieder die Erstfassung, der breitere Anbau ergibt eine andere Einteilung der Fläche.
Hier ist Platz für eine rundbogige Nische, dem Kellerzugang.
So ergibt sich für die 2. Zeichnung (Mitte) ein Fensterband, davor das Geländer des Kellerabganges. Bei Nr. 3 werden die Eingänge nun nach hinter verlegt und ebenso wie bei zwei ist die Grundfläche für den Anbau nun kleiner.













Alle Abbildungen aus dem Kirchenarchiv St. Theresia in Finow








Die dritte Zeichnung wurde umgesetzt doch dazu später mehr...

Mittwoch, 21. Januar 2015

St. Theresia in Finow II: Eigene Kirche, Entwurfskizze Carl Kühn


Die Geschichte dieser Gemeinde und der Kirche ist typisch für die katholischen Christen in der brandenburgische Diaspora. Statt Finow und St. Theresia könnten hier auch viele andere Orte und Patrozinien stehen. In einer kleinen Reihe sollen deshalb die Verläufe am Beispiel Finow nachgezeichnet werden.
Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben!


Für den Delegaturbezirk formulierte Weihbischof Josef Deitmer 1924:
"Der Gedanke: viele wenn auch kleine Kirchen und nicht etwa wenige grosse Dome, ist für die Grosstadt der einzig richtige..."
(Brief Deitmers vom 29.9.1924 an den  Bonifatiusverein, Q: Archiv des Bonifatiuswerks Paderborn) 


Wenn man diesen Gedanken auf die ländlichen Gebiete des Bistums Berlin überträgt, wird nachvollziehbar warum kleine Gemeinden mit 450-500 Katholiken entstanden und eine eigene Kirche erhielten.

Finow war eine Lokalie der Pfarrei in Eberswalde. Als erster Geistlicher vor Ort kam Kaplan Lochowitz, der zuvor in St. Michael in Berlin wirkte, ab 1928 als Lokalkaplan nach Finow (damals noch Heegermühle). Damit verstärkten sich sicher auch die Bemühungen um einen Kirchbau. In diesem Jahr wurde auch Carl Kühn im Fall Finow tätig. Er sollte eine Kirche für 600 Personen mit ca, 200 Sitzplätzen planen. Auftrag erteilte ihm Pfarrer Mirachi aus Eberswalde.
Der Bausachverständige der fürstbischöflichen Delegatur lieferte eine Ideenskizze. Er stellte aber auch klar, dass die Kosten für das Projekt den Finanzrahmen überschritt.
Geschätzt wurden mind. 64 000 Mark.  Er entwarf eine dreischiffige Basilika mit Dachreiter. Wobei die genaue Aufteilung der Schiffe unklar bleibt. Auf der Schnittskizze scheinen die niedrigen Seitenschiffe als eine Art Umgang gedacht gewesen zu sein.

Detail des Skizzenblattes von Carl Kühn, 1928, Querschnitt und Lage
Q: KirchenArchiv St. Theresia in Finow

 
Die Zeichnung erinnert an kleine Bettelordenskirchen. Ich musste als erstes an die Franziskanerkirche, Dreifaltigkeitskirche/ St. Johannes Bapt, in Prenzlau denken. Diese weist zwar keine Dreischiffigkeit auf, jedoch einen Dachreiter über dem Eingangsgiebel ähnlich wie auch die Heilig-Geist-Kapelle ebenfalls in Prenzlau. Sicher gibt es viele (passendere) Beispiele. So gibt es zum Beispiel in Freiburg, Ingolstadt oder Überlingen dreischiffige Anlagen bei den Franziskanerkirchen.

Detail des Skizzenblattes von Carl Kühn, 1928, Ansicht
Q: KirchenArchiv St. Theresia in Finow


Der Delegat Weihbischof Deitmer stellte hinsichtlich des Entwurfes Kühns in einem Brief fest, dass man sich wegen Finanzhilfen an den Fürstbischof in Breslau, damals Adolf Card. Bertram, und an den Bonifatiusverein und dessen Komitee in Berlin wenden müsse.
Der Vorentwurf Kühns könne aber auch ohne Probleme in Etappen realisiert werden, wie es Kühn schrieb dann hätte man gut 36 000 Mark aufbringen müssen. Natürlich wurde um Fläche und Material zu sparen das Pfarr- und Gemeindehaus als Flügelbau mit geplant.


Detail des Skizzenblattes von Carl Kühn, 1928, Grundriß,
die rote Schraffierung markiert die günstigere, erweiterbare Anfangslösung,
Q: KirchenArchiv St. Theresia in Finow


Eine Kirche im Märkischen Stil steht nun nicht in Finow. Doch der Entwurf Carl Kühns wirkt trotz der stilistischen Rückgriffe und passt sich ein.
Für mich besonders genial: Ein weiterer Fund ein neues Kühn-Projekts.


Weiteres auf diesem Blog:

Artikel zu Lamellendächern im Kirchenbau

Montag, 19. Januar 2015

St. Theresia in Finow I: Vorgeschichte

Endlich habe ich es nach Eberswalde geschafft, um im heutigen Stadtteil Finow nach Unterlagen zu suchen. Hier steht nun in der Bahnhofstr. 5 eine kleine Kirche, die 1934 nach Plänen von Josef Bachem gebaut wurde. Ein interessanter Bau. Aber wie kam es dazu?

Die Geschichte dieser Gemeinde und der Kirche ist typisch für die katholischen Christen in der brandenburgische Diaspora. Statt Finow und St. Theresia könnten hier auch viele andere Orte und Patrozinien stehen. In einer kleine Reihe sollen deshalb die Verläufe am Beispiel Finow nachgezeichnet werden.
Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben!

Finow hieß damals noch Heegermühle und war aufgrund der sich ansiedelnden Industrie im Finowtal nach 1900 ein florierender Ort.  Im Jahr 1916 gab es dort bereits 470 Katholiken. Der Weg zur Pfarrkirche St. Peter und Paul soll für manche hin- und zurück 25 km betragen haben (Pfarrchronik).
Als während des 1. Weltkrieges Kriegsgefange vor Ort inhaftiert waren, gab es auch einen katholischen Gottesdienst an dem auch Zivilpersonen teilnehmen durften.
In den 1920er Jahren kam es wieder zu einem Anwachsen der Einwohner und ein regelmäßiger, 14tägiger Gottesdienst in einer Barracke versorgte die Katholiken dort.

Musterhäuser aus Kupfer in Finow, Ansichtskarte,
Q: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Heegermuehle-wasserturm.jpg&filetimestamp=20050101174626&

Ab 1928 gab es einen eigenen Seelsorger. Ab 1935 erhielt der Ort die Stadtrechte und den neuen Namen Finow. Bekannt sind die Hirsch Kupfer- und Messingwerke A.G. in Finow, die ein Patent auf Häuser aus Kupfer hatten. Dies waren Fertigteilhäuser, die zwischen 1929 und 34 produziert wurden (Wikipedia-Artikel: Kupferhaus).

Notkirche Finow,
Q: Schlesisches Bonifatiusblatt,  Nr. 1, 76 Jg., 1.1.1935
Die Werksleitung stellte den Katholiken eine Barracke zur Verfügung, die nur für den gottesdienstlichen Gebrauch verwendet werden konnte.
Das Bild lässt einen sehr einfachen Raum vermuten.
Die Baracke befand sich auf einem Grundstück an der heutigen Altendorfer Straße, Ecke Am Stadtpark, südöstlich davon (Vielen Dank an Pfr. B. Kohnke, Eberswalde, für den Hinweis)

Somit hatte man nun eine erste eigene Kapelle und war dem Ziel eine selbständige Gemeinde zu werden nähergerückt.


Fortsetzung folgt...

Notaltar, vermutlich aus der Barackenkapelle in Finow,
Q: PfArchiv St. Peter und Paul, Eberswalde




Weitere Links:
Zum Thema Kupferhaus:
http://www.urbanophil.net/urbanophil/urbanoreview/heimatcontainer-deutsche-fertighauser-in-israel/
http://de.wikipedia.org/wiki/Messingwerk_Finow
http://www.baunetz.de/baunetzwoche/baunetzwoche_ausgabe_885620.html


Dienstag, 13. Januar 2015

St. Antonius im Friedrichshain und der Altar von Georg Schreiner

Ursprünglich wollte ich nur den Altar von St. Antonius von Georg Schreiner präsentieren.
Dieser Altar jedoch prägt einen ganzen Kirchenraum bis heute. Also wird drumherum ebenfalls berichtet. Wenn man in Berliner Kirchenbaugeschichte hinein piekt, kommt eben mehr heraus.

Eine interessante Geschichte bietet die heutige Kirche St. Antonius im Berliner Friedrichshain.
Es war eine Tochtergründung (ab 1915 Pfarrei) der Großgemeinde in der Frankfurter Vorstadt, St. Pius, welche um 1900, 20000 Katholiken zählte. Ihr erster Pfarrer war der spätere Breslauer Domherr und wichtige Gemeindegründer und Kirchenbauer, Wilhelm Frank (link zum Wiki-Eintrag).

St. Antonius war ursprünglich eine Gaststätte, die 1898 zu einem katholischen Arbeiter-Vereinshaus umgebaut wurde. Der Baumeister dieses Umbaus war Hermann Bunning. Bereits zu diesem Zeitpunkt kam eine Kapelle dazu, die heutige, von außen gut sichtbare Antonius-Kapelle.
Damals erhoffte man sich aufgrund der Nähe zum Bahnhof, wo viele Neuberliner ankamen, eine fruchtbare pastorale Arbeit in Form einer katholischen Arbeiterfürsorge.

Ansichtskarte von 1899, gut zu erkennen der 1970 abgetragene Anbau, der Kapellenchor und der Leo-Saal
Q: http://www.ebay.com.au, nachbearbeitet

Zumindest wirtschaftlich war dieses Unternehmen kein Erfolg. So wurde zwischen 1909 und 1914 der große Festsaal zur Kirche umgebaut. Die Raumgestalt erhielt man. Christliche Ausmalung und Ausstattung wurden hinzugefügt und so entstand eine Kirche.

Der Bedarf in dem neuen Viertel rund um den Schlesischen Bahnhof (heute: Ostbahnhof) war hoch. Mit dem Anwachsen Berlins, stieg auch die Seelenzahl stark an und eine weitere Pfarrkirche wurde nötig.


Die 1914 entstandene Kirche
Q: PfrArchiv St. Antonius

undatierter Entwurf zu einem barocken Altar
Q: PfrArchiv St. Antonius
Sicherlich wollte der Pfarrer ein herausragendes Kunstwerk. Weswegen er auch auf einen erfahrenen Künstler zurückgriff, der zeitgemäß aber nicht zu modern arbeitete.
Zumindest eine älterer Entwurf von unbekannter Hand ist bekannt, der nicht realisiert wurde und wohl auch nicht sollte.

Pfarrer Josef Baron fragte bei dem akademischen Bildhauer Georg Schreiner (geb. 1871) aus Regensburg (zu dieser Zeit in München) an.
Dieser hatte in München studiert und vor allem in München und Regensburg gewirkt. Und bracht prominente Referenzen wie den Regensburger Bischof mit.
Es kam ein reger Briefwechsel auf, der längst nicht ausgewertet ist.
In einem einem Artikel zur Altarweihe spricht Kaplan Roschkowski von einem "Meisterwerk der Altarbaukunst" mit dem die "moderne christliche Kunst" nun auch im Diaspora-Berlin Einzug hielt.


Farbiger Entwurf von Georg Schreiner zum Altar, zwischen Barock und Renaissance,
Realisierter Hochaltar in St. Antonius (dicht am Farbentwurf), nach 1924
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin

Es war Wilhelm Fahlbusch, der um 1924 die Kirche erneut umbaute, die Emporen und die Malerei entfernte. Er wurde dabei von seinem Freund, dem Maler Heinrich Schelhasse unterstützt.
So entstand ein klar gegliederter Raum, der sich zu dem 1921, von Georg Schreiner, aufgestellten Hochaltar hin orientierte. 1928 kam eine Kanzel hinzu.

Altar der Karmeliterkirche
Q: PfrArchiv St. Antonius
Bewundernswert auch ist die Art des Altares. 1922 lieferte Schreiner ein im gotischen Stil gehaltenen Altar für Corpus Christi (Link zu einem Text über den Choraltar in Corpus Christi), einer Neugotischen Kirche im Berliner Prenzlauer Berg. Der wegen seines Traditionsbewusstseins geschätzte Künstler, schuf den Altar für St. Antonius. Hier jedoch gestaltete ein, zwar in der kirchlichen Bildtradition stehendes, jedoch sehr zeitgemäß wirkendes Kunstwerk. Vor allem die Gestaltung der lebensgroßen Figuren erinnert an die zeitgenössische Kunst der 1920er Jahre.
Wie es erst recht später (1952), bei der Alleinstellung der Figurengruppe deutlich zum tragen kam.

Ob die Gestaltung des Altares den Absprachen mit dem durchaus "modern" arbeitenden Fahlbusch zu verdanken ist, auf die Briefe im Pfarrarchiv hindeuten, oder ob der Bildhauer von sich aus diese Facette anschlug bleibt unklar. In vielen Stilen erfahren war Schreiner.

Ein Vorbild war der Altar in der Karmelitenkirche in München den Schreiner schuf und von dem er Bilder an den Pfarrer sandte.



1952 wurde der Altar vereinfacht und die architektonische, verspielte Umrahmung entfernt. Dies geschah während der Wiederaufbauarbeiten aufgrund des Bombenschadens von 1944.

Vereinfachter Altar, nach 1952,
Nun konzentriert sich alles auf Jesus, der zu den Menschen kommt.
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin


Im Rahmen der Umbauarbeiten wurde zwischen 1970 und 76 durch Alfons Bittner (er gestaltete auch Hl. Dreifaltigkeit am Ostkreuz), im Zuge der Neugestaltung nach dem 2 Vatikanum auch die Ausrichtung der Kirche verändert und neue Fenster eingebaut.


Aktueller Zustand seit der Umgestaltung von 1970
Foto: K. Manthey, 2014

Bereits aufgrund der Umnutzung ab 1909 ist St. Antonius eines der letzten Beispiele von Behelfen und "Notlösungen". Die Neuausrichtung durch Bittner macht diese Kirche erst recht zu einer Besonderheit in der katholischen Berliner Kirchenbaulandschaft.


Weitere Informationen:

Wikipedia:
http://de.wikipedia.org/wiki/St.-Antonius-Kirche_(Berlin)

Seite der Gemeinde:
http://www.st-antonius-pius.de/




Mittwoch, 7. Januar 2015

Heute: Kirchenführung in der KHSB in Karlshorst

Heute um 18 Uhr führt die Kunstbeauftragte des Erzbistums Berlin, Fr. Dr. Christine Goetz, durch die alte und neue Kapelle des ehemaligen St. Antonius-Krankenhauses, der heutigen 
Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin. 
Der Architekt des Komplexes war der Wiener Baurat Felix Angelo Pollak (Wikipedia-Artikel)
Hier zwei Ansichten von 1931 kurz nach der Eröffnung des Krankenhauses.

Blick in den Innenhof, links der Eingang zur Kapelle (heute: Aula)
Haupteingang, damals wie heute führt eine leicht ansteigende Auffahrt dorthin
Q: PfArch St. Marien Karlshorst 

Hier geht es zum ersten Eintrag auf diesem Blog vom 24.12.2014.
Link zum Jahresprogramm der Kirchenführungen 2015.

Weitere Links zum Gebäude (aus dem Wikipedia-Beitrag):

Infoblatt zum Denkmal des Monats:
http://www.berlin.de/imperia/md/content/balichtenberghohenschoenhausen/freizeit-tourismus/denkmal04.2011.pdf?start&ts=1300720201&file=denkmal04.2011.pdf

Vortragsfolien von Prof. Angelika Pleger:
http://www.berlin.de/imperia/md/content/balichtenberghohenschoenhausen/aktuelles/02/2012_05_02_vom_bauhaus_krankenhaus_zur_hochschule.pdf?start&ts=1343038507&file=2012_05_02_vom_bauhaus_krankenhaus_zur_hochschule.pdf