Sonntag, 22. Februar 2015

Vortragsdoppel am 4. März 2015 um 19 Uhr

Endlich kommt es wieder zu einem spannenden Doppel.
Die Herkunfts- und Familiengeschichte Carl Kühns wird ebenso wie seine Tätigkeit
Thema eines Abends der Interessengemeinschaft Genealogie Berlin sein.

Herzliche Einladung zum Vortrag von Norbert Seyer und Konstantin Manthey:

Kirchen für das junge Bistum Berlin.
Der Berliner Diözesanbaurat Carl Kühn und seine Familie


am:
Mittwoch, 4. März 2015

um: 
19 Uhr

in:
Katholische Kirchengemeinde Herz Jesu, Zugang von der Schönhauser Allee 182, rechter Seitenflügel, hinterer Eingang, 1. OG im Margarete-Sommer-Heim in 10119 Berlin 

Donnerstag, 19. Februar 2015

St. Theresia in Finow V: Stilistische Vergleiche

Die Geschichte dieser Gemeinde und der Kirche ist typisch für die katholischen Christen in der brandenburgische Diaspora. Statt Finow und St. Theresia könnten hier auch viele andere Orte und Patrozinien stehen. In einer kleinen Reihe sollen deshalb die Verläufe am Beispiel Finow nachgezeichnet werden.
Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben!


Auffällig bei der Kirche von Finow ist die getreppte Staffelung der Bauglieder. Hochgezogener Frontgiebel, Langhaus und abgesenkter Chor bzw. Anbauten ergeben eine Dreigliedrigkeit.
Solch eine Reihung kannte ich bereits aus Lindow. Hier hatte Wilhelm Fahlbusch bereits 1931 die
St. Josephs-Kirche gebaut.

Ob Solch ein Form von Architekten so gefordert wurde oder man selbstständig "kopierte" ist unklar.
Zumindest ist Finow historisch deutlich später.
Ausschlaggebend war auch hier sicher der Sparzwanges. Das Turmbauverbot seitens des Bonifatiusvereins, dem Geldgeber vieler Kirchenbauprojekte jener Zeit könnte forderte andere Lösungen.
Alle vier folgenden Beispiele haben eine hochgezogenen Frontseite, die dadurch wie ein breiter Turm wirkt. Diese Bauform war erprobt und effizient - eine Art "Diaspora-Bautyp".

Die Akten zu Finow zeigen zwar verschiedene Entwürfe und den Bauschein jedoch keine weiteren Schriftwechsel die Auskunft zum hiesigen Fall geben könnten. Kühns Entwurfsskizze löste die Turmlosigkeit noch anders (s. Teil II).

Unterschiede finden sich an und in den einzelnen Bauten natürlich zuhauf. So sind die Kirchen für unterschiedliche Besucherzahlen geplant. Sie bleiben jedoch alle in einem eher niedrigen Bereich, sind also kleine Kirchen. Von außen sind die Ähnlichkeiten im Aufbau unverkennbar.

Folgende Belege habe ich heraus gesucht:




Herz-Jesu-Kirche in Garz auf Rügen, von August Kaufhold, 1913, für 500 Gottesdienstbesucher
(der Chor ist auf dieser Abb. nicht zu sehen, aber vorhanden)
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums

St. Joseph in Lindow von Wilhelm Fahlbusch, 1931, für 230 Personen
Q: Die Christl. Kunst, 29. Jg, S. 67

Herz Jesu in  Reppen / Rzepin von Carl Kühn, 1934, für 200 Gläubige geplant
(die genaue Aufteilung an der Rückseite ist nicht bekannt, heute befindet sich dort ein großer Anbau)
Q: SchlBBl, Jg. 76, Nr. 1, vom 1.1.1935, S. 5.

St. Theresia in Finow, von Josef Bachem, 1934, für 400 Besucher gedacht
Q: PfArch St. Peter und Paul Eberswalde / Chronik Finow 

Die Kirche in Reppen wurde am gleichen Tag wie die in Finow geweiht.
Am 18.11.1934 weihte der Generalvikar Prälat Dr. Steinmann, vormals Propst für Pommern in Stettin, dieses Kirchlein. Welches auf Initiative der Frankfurter Kaufleute entstand. Hier wurden Chorfenster aus der alten St. Hedwigs-Kirche verwendet, die nach dem Umbau zur Kathedrale durch Holzmeister und Kühn 1931/32 übrig blieben.

Fortsetzung folgt...

Freitag, 13. Februar 2015

St. Theresia in Finow IV: Umsetzung Josef Bachems


Die Geschichte dieser Gemeinde und der Kirche ist typisch für die katholischen Christen in der brandenburgische Diaspora. Statt Finow und St. Theresia könnten hier auch viele andere Orte und Patrozinien stehen. In einer kleinen Reihe sollen deshalb die Verläufe am Beispiel Finow nachgezeichnet werden.
Dabei wird kein Anspruch auf Vollständigkeit erhoben!


Der hier abgebildete Bauplan zeigt, dass der letzte Entwurf umgesetzt wurde.

Bauplan zur Ausführung mit Maßangaben,
Q: KirchenArchiv St. Theresia in Finow

Die Grundsteinlegung am 21. Mai 1934 fand durch den zweiten Berliner Bischof, Dr. Nikolaus Bares statt. Handwerker wurden vorzugsweise aus der Region beschäftigt. So sparte man diverse Wege und band die örtliche Bevölkerung ein.


Grundsteinlegung am 21.5.1934,
Q: PfArch St. Peter und Paul Eberswalde / Chronik Finow

Bereits am 28. Juli konnte man das Richtfest feiern und zur Konsekration kam abermals Bischof Bares. Er wohnte dem Levitenamt bei, das der Eberswalder Pfarrer Mirachi, zur Weihe des Baues am 18. November 1934 mit zwei Assistenten, hielt.
Viele Gäste waren vertreten und ein gemeinsamer Chor aus Eberswalde und Finow gestaltete das Hochamt musikalisch.
Danach aß man zusammen Mittag (es gab Eintopf) an langen Tafeln im großen Saal des Sportparks. Nach einer Pause folgten Grußworte von Bischof und Pfarrer und noch einige Darbietungen. Bischof Bares schenkte der Gemeinde in Finow zur Konsekration einen Messkelch.

Abbildung der Kirche aus einem Artikel aus der Märkischen Volkszeitung vom 17.11.1934
Q: PfArch St. Peter und Paul Eberswalde / Chronik Finow

Die Ausführung des Bauwerks erledigte die Firma Paul Schramm. Wie das Schild oben verrät.


Der Innenraum zur Erbauungszeit, vor 1946 Blick zum Altar
Q: PfArch St. Peter und Paul Eberswalde / Chronik Finow
Die Fenster und der 1. Altar wurden vom Berliner Künstler Hans Schulz-Tattenpach entworfen bzw. gemalt. Der Hochaltar zeigt Szenen aus dem Leben der Hl. Theresia vom Kinde Jesu der Namenspatronin der Kirche. Beides war anscheinend zur Weihe bereits vorhanden.

Fortsetzung folgt...


Dienstag, 10. Februar 2015

Landpartie IV: Viereck (Vorpommern)

"Ich kam nach Viereck und kann euch versichern, dass ich noch nie in meinem Leben mehr Glaube und mehr Liebe zu unserer heiligen Religion und Kirche angetroffen." 
(Wilhelm Emmanuel von Ketteler, 1849, kurzzeitig Fürstbischöflicher Delegat, zitiert n.: Schwillus/ Brühe, 2009, S. 338)


Ein Dorf, dessen Anlage als Karree eher an eine Vorstadtsiedlung erinnert.
Auch Viereck ist eine Gründung aufgrund der Siedlungspolitik Friedrichs II. 1748/49 als Jägersberg durch pfälzische Siedler gegründet und bereits 1751 zu Ehren des gleichnamigen Staatsministers Viereck umbenannt.
Dieser Adam Otto von Viereck (1684-1758) hat nach dem Erwerb des Gutes Buch auch diesen heutigen Ortsteil von Pankows ausgebaut und die dortige barocke Schlosskirche errichten lassen.

In Viereck kamen die Nachfahren der Kolonisten anscheinend erst spät zu einem repräsentativen Kirchenbau. Früh gab es bereits ein Lehmfachwerkhaus mit Schulraum und Kapelle. Auch ein Geistlicher war in Aussicht gestellt. Über 150 Jahre jedoch hielten Laien die Gemeinde am Leben. Erst 1903 kamen eigene Geistliche für die Gemeinde nach Viereck.
Nun ging es auch mit dem Kirchenbau voran. Den Auftrag erhielt der bekannte Architekt August Kaufhold aus Berlin-Friedenau, der mindestens 11 Kirchen zwischen 1905 und 1930 im heutigen Bistumsgebiet erbaut hat. Darunter ist die St. Eduard-Kirche in Berlin-Neukölln (1906/07).

Beide Außenansichten, Foto: K. Manthey, 2015

Die Kirche in Viereck erhielt in neugotischen Formen einen 38-Meter-hohen Kirchturm und einen basilikalen Aufbau mit zwei Seitenschiffen. 1911 wurde die Kirche Mariä Geburt in Viereck benediziert. 1935 erhielt die 650-Seelen-Gemeinde das Pfarrhaus neben der Kirche. Bis 1980 gab es einen Pfarrer vor Ort.
Heute gehört Viereck zur Pfarrei St. Otto in Pasewalk. Zu dem über 1000 km² großen Pfarrgebiet zählen 1300 Katholiken und eine weiteres Bauwerk von Kaufhold, die Kirche Heilige Familie in Strasburg, in neuromanischen Stilformen.



Innenansicht, Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin/ Slg. Brühe

Diese Kirche hat es mir besonders angetan. Sie ist durch ihre freie Lage und Größe ein besonderes Denkmal, mit wunderbarer Fernwirkung.

Mariä Geburt von der Landstraße aus gesehen, Foto: K. Manthey, 2015

In relativer räumlicher Nähe finden sich in den Siedlungen Hoppenwalde, Blumenthal und Viereck beeindruckende bauliche Zeugnisse des katholischen Siedlungswesens unter Friedrich dem Großen.
Diese Kirchen gilt es zu bewahren!

Links zu den vorpommerschen Siedlerkirchen:

Landpartie II: Hoppenwalde
Landpartie III: Blumenthal

Link zum Auftaktbeitrag:

Landpartie I: Niesky (Oberlausitz)

Sonntag, 8. Februar 2015

Landpartie III: Blumenthal (Vorpommern)

So wie Hoppenwalde entstand ein Jahr zuvor, 1747, auf Geheiß Friedrichs des Großen die gemischt konfessionelle Siedlung Blumenthal. Neben einer evangelischen Kirche auf einer Art Anger, findet sich etwas abgelegen, gegenüber des Friedhofs die St. Stephanus-Kirche von 1908. Architekten waren die Herren Rogge und Milewski aus Stettin.
Seit 1820 gab es ein Haus mit Schulzimmer und Betsaal für die Katholiken vor Ort. Zu Beginn gab es vier Familien, zur Zeit des Kirchbaus nicht mehr als 120.


Außenansichten von St. Stephanus, Foto: K. Manthey, 2015

Innenansicht, Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin

Die Größe der Kirche hing mit den im Sommer in der Landwirtschaft arbeitenden Schnittern aus Polen zusammen. Nach dem 2. Weltkrieg wuchs die Gemeinde vor Ort zeitweise auf 750 Gläubige an und wurde eine zur Kuratie Ueckermünde gehörige Lokalie. Mittlerweile ist die katholische Kirche von Blumenthal Gottesdienstort von Hoppenwalde.

Freitag, 6. Februar 2015

Landpartie II: Hoppenwalde (Vorpommern)

In der letzten Woche war auch Hoppenwalde auf dem Plan.
Ein Straßendorf, Landluft und zentral steht eine katholische Kirche, unweit davon noch das Pfarrhaus und eine katholische Schule.
1748 kamen durch den preußischen König Friedrich II. acht katholische Familien hierher und siedelten sich an. Zuerst erhielten sie keine Kirche und feierten in einem Fachwerkhaus, wo auch die Schule war. Der Staat gestattete keinen Kirchbau. Doch während der französischen Besatzung sorgte 1808 der zuständige Stettiner Pfarrer, der zweimal im Jahr zur Messe nach Hoppenwalde kam, für den ersten Kirchenbau.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt in Hoppenwalde, heute

Um 1890 wurde das Kirchlein erweitert und der heutige Turm kam hinzu. Nun hatte man einen Seelsorger vor Ort.
Die Entwürfe für den Um- und Erweiterungsbau lieferte der Breslauer Fürstbischöfliche Baurat Josef Ebers.

Mariä Himmelfahrt, Blick zum Altarraum
Blick zur Empore, beeindruckend ist die Holztonnendecke und das Ständerwerk
Alle Fotos: K. Manthey, 2015
Wieder eine spannende Geschichte über die Wiederkehr der Katholiken im protestantischen Preußen.

Donnerstag, 5. Februar 2015

Landpartie I: Niesky (Oberlausitz)

In dieser Woche habe ich ein Auto zur Verfügung.
So kann ich einige entferntere Kirchen besuchen
und teilweise ihre Archive einsehen.

Einen Spontanbesuch erhielt die St. Josef-Kirche in Niesky (Oberlausitz).
Hier baute man eine Kirche aus Holzfertigteilen. So konnte in kurzer Zeit und für wenig Geld dieses Gotteshaus 1935 gebaut werden.

In Niesky gab es auch einen Holzhaushersteller. Sicherlich gab es hier einen Zusammenhang.

Die Kirche von vorne, vom Sportplatz aus gesehen

Die Rückseite, mit dem Missionskreuz, vom Sonnenweg aus.