Freitag, 24. April 2015

Neues Kühnprojekt - Allerheiligen Borsigwalde, 1937

Derzeit kann ich mit vielen Neuheiten aufwarten.

Beim Stöbern in verschiedenen Akten fand ich diesen Entwurf von Kühn. Ich vermutete bereits, dass er sich mit einer Kirche für Borsigwalde beschäftigt hatte. Doch hier nun auch erste Skizzen zu einer Baugruppe, von der nur das Pfarrhaus (1938) entstand. Dafür fand ich auch detaillierte Ausführungszeichnungen. Vermutlich beherbergte das Pfarrhaus auch eine Notkirche, wie es im Amtlichen Führer für das Bistum Berlin von 1938 verzeichnet ist.

Die hier gezeigten Skizzen stammen von einem Blatt, das mit 27.12.1937 datiert ist. Kühn setzt vor das tief auf dem Gelände liegende Pfarrhaus rechts eine Kirche und links ein Wohnhaus, vermutlich zu Vermietung als Refinanzierungsmöglichkeit. Zwischen den Bauteilen plant er einen Pfarrhof. Dieser wird an zwei Seiten durch Arkaden begrenzt. So wie er es auch für Neuruppin (1937) vorschlug.

Carl Kühn, Straßenansicht von der Räuschestraße, Borsigwalde, 1937
Q: Bauakte Allerheiligen, EBO

Zur Außengestaltung der Kirche bietet die Skizze keine ausreichenden Anhaltspunkte. Vielleicht war es sogar als ein schlichter Putzbau gedacht, wie es bei späten Kühn-Kirchen oft der Fall wurde. 
Der Seitenturm diente als Portal. Ihm war ein halbrunder Treppenturm angesetzt. Die Kirche sollte 500 Personen Platz bieten. Davon weist Kühn 168 Sitzplätze aus. Zur Straße hin schloss das Ensemble mit der Nachbarbebauung, ob vorhanden oder projektiert, in einer Flucht ab.

Carl Kühn, Lageplan und Grundrisse, Borsigwalde, 1937
Q: Bauakte Allerheiligen, EBO

Felix Hinssen, Kühns Nachfolger im Amt als Baurat ab 1946, vollendete die Pläne. Seine Kirche wurde direkt mit dem Pfarrhaus von Kühn verbunden und von der Straße her links, statt bei Kühn rechts, angeordnet. Dieser 1954-55 entstandene Bau ist ein hervorragendes Beispiel der Nachkriegsarchitektur. Sein markanter Turm steht besonders für neue Wege im Kirchenbau.

Die Allerheiligenkirche von Hinssen
Foto: Bodo Kubrak, 2013
Q: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AAllerheiligen_(Borsigwalde).JPG


Donnerstag, 23. April 2015

Impressionen von der Ausstellung im Berliner Dom

"Du sollst dir kein Bild machen!" Ist eine Aufforderung der 10 Gebote. Damit tun wir uns ja seit Jahrtausenden schwer. Und was ist überhaupt ein Bild? Antworten dazu "finden" sich dem Betrachter vielleicht hier.



Das Projekt im Berliner Dom gefällt mir gut. Vor allem, dass der Kurator Alexander Ochs an den baulich katholischsten Ort Berlins, die evangelische Kaiser-Kirche (Dom), eine Melange guter Kunst aus 900 Jahren bringt, die er wöchentlich erneuert, ist selbst im kunstsatten Berlin eine Besonderheit.



Buntgemischt kann man hier wenige Werke wirken lassen, die man sonst nicht gesehen hätte (entweder weil sie nicht aufgefallen oder weil die Möglichkeiten dazu versagt geblieben wären).



Derzeit wird der 10. Aufzug gezeigt (bis 25.4.?). Auch wenn ich ein Bild von der Ankündigung für den aktuellen Durchgang vermisst habe (man muss spontan bleiben bei der Kunst).
Sieben Euro Domeintritt lohnen sich (es gibt auch Dauerkarten)!




Also los und ab in den Berliner Dom, noch bis zum 14.6.!

http://du-sollst-dir-kein-bild-machen.de/

Mittwoch, 22. April 2015

Neues Kühnprojekt - Kapelle auf dem St.-Matthias-Friedhof, 1914

Mit dem Anwachsen der Stadt Berlin und somit auch der Zahl von Katholiken wuchs der Bedarf an katholischen Friedhöfen. Zumal, den Kulturkampf in den Knochen, ungern auf evangelischen Friedhöfen bestattet wurde.
So erschien es dem Pfarrer von St. Matthias auf dem Winterfeldplatz als besonders wichtig hier Abhilfe zu schaffen. 1891 erwarb Pfarrer Kappenberg in den "Rauhen Bergen" von Mariendorf die ersten 20 Morgen. Die erste Leichenhalle war derart einfach, dass es aufgrund ihrer Unwürdigkeit bereits kurz nach der Errichtung Proteste gab.
So bat man Carl Kühn, der sich bereits mit der St. Norbert-Kirche bewährt hatte um einen Entwurf. Dieser wurde auch bei den Baubehörden eingereicht, die Genehmigungen mehrfach durch den ersten Weltkrieg hindurch verlängert, und schließlich verworfen.

Carl Kühn, Ansichten zum Projekt: Friedhofskapelle, Mai 1914
Q: Pfarrarchiv St. Matthias, Berlin

Mittlerweile war der Bedarf noch einmal gewachsen Graf von Galen, der damalige Pfarrer von St. Matthias, hatte den Friedhof vergrößert und versuchte dort ein Kloster einzurichten. Statt Kühn war nun ein junger Architekt Gerlach gefragt, ein Sohn der Pfarrei.
Auch Josef Weber plante an dem Kirchhof mit. Er lieferte 1921 einen Vorschlag zur Gestaltung der Gesamtanlage. Die Kirche wurde samt Kloster für die Herz-Jesu-Priester aus Hiltrup errichtet und 1927 durch Heinrich Gerlach fertiggestellt. Sie erfuhr verschiedenen Erweiterungen und fiel dem Bombenkrieg zum Opfer. 1953 konnte die Nachfolgekirche von Felix Hinssen eingeweiht werden.

Die St. Fidelis-Kapelle von Gerlach, nach der Zerstörung um 1941,
Q: Pfarrarchiv St. Matthias, Berlin
Das Projekt von Carl Kühn, hatte dann sicher niemand mehr im Sinn. Dabei ist diese Leichenhalle ein weiterer Beleg für das entwerferische Spielen mit barocken Formen.
Verschiedene Projekte waren im ersten Weltkrieg nicht realisiert worden, die dem "Prunkstil" nachempfunden waren. Sicher auch als eine Replik auf süddeutsche, katholische Kirchen.

Sonntag, 19. April 2015

142. Geburtstag

Am 19. April des Jahres 1873 wurde Carl Anton Otto Kühn geboren. Ihm und seinem Werk widmet sich dieser Blog und mein Promotionsprojekt.

Detail aus dem Pausbuch Kühns, S. 4

Dienstag, 7. April 2015

Landpartie V: Gützkow (Vorpommern)

Von Greifswald aus entstand die Initiative die meist polnischen Landarbeiter, die in der Saison kamen zu pastorieren. Bereits 1908 lieferte der Greifswalder Architekt Josef K. Tietz Pläne für einen einfachen neugotischen Saalbau, damals noch außerhalb von Gützkow.
Zum Einen war die Versorgung der Schnitter sicher ein pastorales Bedürfnis des Greifswalder Pfarrers Jüttner. Zum Anderen gipfelte diese Fürsorge bei nationalen, regional bedingt, meist evangelischen Kräften zu vermehrten Vorwürfen gegenüber den Katholiken.
Hinzu kam als Grundlage für das Bauvorhaben in Gützkow sicherlich das historische Argument. Denn der Apostel der Pommern, der Hl. Otto von Bamberg, Mitpatron des 1930 gegründeten Bistums Berlin, hatte in Gützkow auf seiner 2. Missionsreise, 1128, eine große Kirche errichten lassen.

Grundriss und Ansicht von Joseph Tietz, November 1908
Q: Pfarrarchiv St. Joseph, Greifswald

Lange wurde in der 1910 geweihten St. Marienkirche meist nur monatlich Messe gelesen.

Die St. Marien-Kirche, 2012, auf einem Bild von Erell (Eigenes Werk)
Q: http://commons.wikimedia.org/wiki/File%3AG%C3%BCtzkow_St_Marien_Nordwest.JPG
Erst mit den von Osten her einsetzenden Flüchtlingen am Ende des zweiten Weltkrieges kamen eigene Seelsorger nach Gützkow. Um 1955  belief sich die Zahl der Gemeindemitglieder sogar auf ca. 1000 Gläubige. Seit 2003 gehört sie wieder als Filialkirche zur Muttergemeinde St. Joseph in Greifswald.

Eine Innenaufnahme um 2000, von Matthias Brühe
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin / Sammlung Brühe



Links zu den bisherigen Landpartien:

Vorpommern:

Landpartie IV: Viereck

Sonntag, 5. April 2015

Frohe Ostern!

Liebe Leser,
Frohe und gesegnete Ostern, Ihnen und Ihren Lieben!
Diesmal mit einem Osterfenster - der Entwurf stammt von Egbert Lammers.
Ausgeführt wurden diese Fenster von August Wagner, Berlin, 1941.

Viele Kirche wurden noch in den frühen 1940er Jahren ausgestattet.
Gerade in Berlin blieb davon kaum etwas erhalten.

Übrigens das Missionshaus St. Jakobus in Grimmen ist von Carl Kühn, dazu später sicher mehr.

Auferstehungsfenster aus St. Jakobus in Grimmen
Foto: K. Manthey, April 2015