Donnerstag, 28. Mai 2015

Moderne Umgestaltung 1929-30 in St. Clara

Die Mutterkirche der Neuköllner Katholiken ist die St. Clara-Kirche. Sie wurde 1895-97 errichtet. Bis dahin war Rixdorf, wie das Ursprungsdorf des Stadtbezirkes hieß, katholisch betrachtet, Gemeindeteil von St. Hedwig. Ab 1837 gründeten einige der 20 katholischen Familien am Ort eine Zimmerkapelle. Dort hielt man "Laiengottesdienste", weitere Kapellen folgten. Ab und an kam ein Geistlicher. Ab 1863 wurde die Messe (regelmäßiger) durch den Pfarrer von St. Michael gehalten.

St. Clara, Aufnahme Ende der 1990er Jahre
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten des Erzbistums Berlin
Der Architekt August Menken (1858-1903) schuf einige Kirchen in Berlin. Darunter sind die
St. Johannes-Basilika oder auch die St. Ludwig-Kirche. Mit St. Clara bot er ein ganz besonderes Konzept. Er schuf einen zweischiffigen Hallenraum, mit einem Eckturm, der mit 57 Metern Höhe damals ein imposantes Zeichen war.

Blick in die 1929 umgestaltete Kirche
Q: Pfarrchronik St. Clara

Dieser Artikel widmet sich insbesondere der Umgestaltung des Kirchenraums 1929/30 unter dem Pfarrer Viktor Trawnik. Er war von 1927-58 in der Gemeinde. Bischof Dr. Schreiber weihte die - nun neugestaltete - Kirche am 22.4.1930. Zuvor war sie, wie viele Berliner Kirchen vor der Bistumsgründung nur benediziert worden.

Der Hochaltar. Beeindruckend sind die goldenen Figuren und die Formen am Altar selbst
Q: Pfarrchronik St. Clara
Mir ist bisher nicht bekannt wer Trawnik gestalterisch bei der Umgestaltung unterstützte. Aus der Sicht eines Freundes der aufkeimenden Moderne in der Kunst für Kirchen, ist der Verlust dieser Ausstattung spätestens ab 1968, durch die Umgestaltung im Zuge des zweiten Vatikanums (Paul Brandenburg u.a.) zu bedauern.

























links: Blick zum Seitenaltar, der Kirchenpatronin geweiht, über die goldene Chorschranke. 
rechts: Der Marienaltar, vermutlich im hinteren Teil der Kirche, wo er sich heute noch befindet.
Q: Pfarrchronik St. Clara

Pfarrer Trawnik war der Motor verschiedener Kirchenbauvorhaben. So ist die bereits seit 1914 geplante Kirche am Reuterplatz, St. Christophorus, unter ihm realisiert worden, ebenso wie die Notkirche St. Richard. Bei beiden hatte Carl Kühn die architektonische Leitung. Auch die Erweiterung des Pfarrhauses von St. Clara fällt in die Zeit Trawniks. Dieses wirkt mit seinen spielerischen Verzierungen und dem Giebel wie ein Rückgriff auf den Jugendstil.

Das 1927 fertiggestellte Pfarrhaus, bereits vom Vorgänger Trawniks begonnen.
Q: Pfarrchronik St. Clara


Weiterführende Links (intern):
Ein Kirchenentwurf von Rudolf Waller für Lindow
Zur Notkirche St. Richard (Hier lohnt es auch die Teile 1 und 2 zu beachten)
Über die St. Christophorus-Kirche 

Weiterführende Links (extern):
Wikipediabeitrag über August Menken



Sonntag, 24. Mai 2015

Pfingsten

Herzlichen Glückwunsch Kirche! Und Ihnen liebe Leser: Geistreiche Pfingsten!

Und wieder ein Bild von einem Fenster in St. Jakobus Grimmen, Vorpommern. Die Glasbilder stammen von Egbert Lammers und wurden von August Wagner, Berlin, 1941 angefertigt.
Die Aussage ist deutlich, nach den Feuerzungen ist das Gericht nicht mehr weit.

Pfingstfenster aus St. Jakobus, Grimmen
Foto: K. Manthey, 2015 (nächstes Mal ohne Bücherstapel)

Als der Pfingsttag gekommen war, befanden sich alle am gleichen Ort.
Da kam plötzlich vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren.
Und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich verteilten; auf jeden von ihnen ließ sich eine nieder.
Alle wurden mit dem Heiligen Geist erfüllt und begannen, in fremden Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab.
In Jerusalem aber wohnten Juden, fromme Männer aus allen Völkern unter dem Himmel.
Als sich das Getöse erhob, strömte die Menge zusammen und war ganz bestürzt; denn jeder hörte sie in seiner Sprache reden.
Sie gerieten außer sich vor Staunen und sagten: Sind das nicht alles Galiläer, die hier reden?
Wieso kann sie jeder von uns in seiner Muttersprache hören:
Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien, Judäa und Kappadozien, von Pontus und der Provinz Asien,
von Phrygien und Pamphylien, von Ägypten und dem Gebiet Libyens nach Zyrene hin, auch die Römer, die sich hier aufhalten,
Juden und Proselyten, Kreter und Araber, wir hören sie in unseren Sprachen Gottes große Taten verkünden.
Alle gerieten außer sich und waren ratlos. Die einen sagten zueinander: Was hat das zu bedeuten?
Andere aber spotteten: Sie sind vom süßen Wein betrunken.

(Apg 2, 1-13)

Weitere Links:

Donnerstag, 21. Mai 2015

Alter Domfriedhof in der Liesenstraße

Nachdem der erste nachreformatorische Friedhof der Katholiken Berlins am Oranienburger Tor nicht weiter genutzt und dann überbaut wurde, kommt dem Friedhof in der Liesenstraße das Privileg zu, die älteste erhaltene Katholische Begräbnisstätte zu sein.

Um 1830 erworben lag er vor der Stadt. In der Nähe das Ausflugslokal des Gastwirts Liesen. Dieser veräußerte Teile seines Grundstückes für Friedhöfe (Hedwigsgemeinde, Evangelische Domgemeinde und Französische Gemeinde). Gegenüber lag (und liegt) der zweite Dorotheenstädtische Friedhof.

Das letzte guterhaltene Familien Mausoleum des Musiker

Auf dem Alten Hedwigskirchhof findet man verschiedene katholische Größen wie
Athanasius Raczynski, Familie Adlon, Peter von Cornelius oder auch das Grab von Peter Dussmann.

Ein Engel als Galvanoplastik ausgeführt

Dabei hat sich aufgrund der Teilung Berlins der Mauerbau mit den Grenzanlagen bis zu 30 Metern auf dem Friedhof breitgemacht. Vieles wurde zerstört. Heute stellt dieser Friedhof ein Kleinod da. Das man nicht nur wegen des kürzeren Einkaufsweges besuchen sollte.

Grabmal mit Kriegsspuren und Gedeck, hier ruht die Kaffeehausbesitzerfamilie Bauer

Vielleicht sogar schon am 3. Juni im Rahmen der Kirchenführungen der Kunstbeauftragten.
Sibylle Schulz führt die Kapelle auf dem Alten Domfriedhof 
St. Hedwig Berlin-Mitte Liesenstraße 8, 10115 Berlin 
um 18 Uhr. (Verschiedene Kenner der Geschichte des Friedhofs haben ihr Kommen zugesagt.)

Blick vom Haupteingang auf die St. Annen-Kapelle mit den Engeln von Josef Limburg

Wir sehen uns am 3.6.?


Donnerstag, 14. Mai 2015

Himmelfahrt

Allen Lesern und Leserinnen,
einen schönen Himmelfahrtstag!
Den Väter und Herren wünsche ich schöne Stunden.

Dieses Mal wieder ein Bild von einem Fenster in St. Jakobus Grimmen, Vorpommern. Die Glasbilder stammen von Egbert Lammers und wurden von August Wagner, Berlin, 1941.

Himmelfahrtsfenster aus St. Jakobus, Grimmen
Foto: K. Manthey, 2015

Ihnen hat er nach seinem Leiden durch viele Beweise gezeigt, dass er lebt; vierzig Tage hindurch ist er ihnen erschienen und hat vom Reich Gottes gesprochen.
Beim gemeinsamen Mahl gebot er ihnen: Geht nicht weg von Jerusalem, sondern wartet auf die Verheißung des Vaters, die ihr von mir vernommen habt.
Johannes hat mit Wasser getauft, ihr aber werdet schon in wenigen Tagen mit dem Heiligen Geist getauft.
Als sie nun beisammen waren, fragten sie ihn: Herr, stellst du in dieser Zeit das Reich für Israel wieder her?
Er sagte zu ihnen: Euch steht es nicht zu, Zeiten und Fristen zu erfahren, die der Vater in seiner Macht festgesetzt hat.
Aber ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen, der auf euch herabkommen wird; und ihr werdet meine Zeugen sein in Jerusalem und in ganz Judäa und Samarien und bis an die Grenzen der Erde.
Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken.


(Apg 1,3-9)

Weitere Links:

Mittwoch, 13. Mai 2015

Heilig Kreuz - Friedhofskirche in der Konrad-Wolf-Straße

Im Rahmen der Kirchenführungen der Kunstbeauftragten des Erzbistums (1. Mittwoch im Monat, 18 Uhr), Frau Dr. Goetz, stehen 2015 Kapellen auf dem Plan. Damit werden erstmals Sakralräume vorgestellt, die sonst nicht so in der Öffentlichkeit stehen, da sie sich in Krankenhäusern oder auf Friedhöfen befinden.

Am vergangenen Mittwoch waren wir in der Kirche auf dem Friedhof St. Hedwig/ St. Pius, vor dem Hohenschönhauser Tor in Alt-Hohenschönhausen, Konrad-Wolf-Straße.
Die Kirche wurde zwischen 1906 und 07 von Hermann Bunning (1868-1930), Architekt und Maurermeister aus der Flotowstraße in Tiergarten, erbaut. Er war ab den 1890er Jahren eine Größe im Bereich des Bauens für die Katholische Kirche in Berlin.

Der Bau von der Seite, gut zu erkennen die Blendfenster, die während der Umgestaltung geschlossen wurden
Bis zur Einweihung der neuen Heilig-Kreuz-Kirche im Malchower Weg, die 1988 eine der letzten Kirchbauten in der DDR darstellte, war die Friedhofskirche auch Pfarrkirche.

Unter Johannes Klafke, dem langjährigen Pfarrer der Gemeinde, wurden beide Kirchen durch Friedrich Press (1904-1990) ausgestattet. Dem letzten "Expressonisten" unter den Kirchenkünstlern in Deutschland. Der Schwerpunkt seines Schaffens lag in der DDR. Im (Erz-)Bistum Berlin gestaltete er Kirchen in Wittenberge, Stralsund und die beiden in Hohenschönhausen. Press war u.a. Schüler von Hans Perathoner in Berlin. Wie sein Lehrer schuf auch er eindrucksvolle Figuren und besonders Kreuze.

Der Innenraum 
Zwei Hauptwerke von Press gibt es in dieser Kirche.
Der bereits seit 1962 in der Kirche befindliche Tabernakel mit den Vier Tiersymbolen die in der Bibel bei Ezechiel (Ez 10,14) ebenso wie in der Offenbarung des Johannes (Offb 4,6-8) zu finden sind. Am Häufigsten deuten wir sie als Evangelistensymbole.

Der Tabernakel von 1962
Und das Kreuz, das einen Christus andeutet, der uns mitzieht in das Himmlische Reich. Die Arbeit an der Innenraumgestaltung wurde 1967/68 abgeschlossen.

Christus "holt uns raus", Detail des Kreuzes
Alle Fotos: K. Manthey, 2014

Bis heute steht in Alt-Hoheschönhausen eine sehr sehenswerte Kirche - ein Geheimtipp.
Mir ermöglicht dieser schlichte, neugotische Bau mit dem überraschendem Innenraum ein ganz besonderes Raumerlebnis. Zweimal im Monat wird hier Samstags um 10 Uhr noch die Messe gefeiert.


Übrigens die nächste Führung in der Reihe:
3. JuniKapelle auf dem Alten Domfriedhof St. Hedwig
Berlin-Mitte
Liesenstraße 8, 10115 Berlin


Externe Links
Wikipedia-Eintrag zu Friedrich Press 


Freitag, 1. Mai 2015

St. Josef Strausberg

Heute ist der Tag, den Pius XII 1955, dem heiligen Joseph von Nazareth als "Arbeiter" widmete. 
Da schauen wir doch einmal auf eine Kirche Kühns, die das Patrozinium des Ziehvaters Jesu erhielt, St. Josef (19.3.) in Strausberg.

Die Geschichte der Katholiken in Strausberg lässt sich in das Jahr 1853 zurückverfolgen. Zu diesem Zeitpunkt wurde von Wriezen aus Gottesdienst in der Stadt am Straussee gehalten. 1899 errichtete man die Gemeinde Strausberg-Rüdersdorf mit Sitz in Hoppegarten. Ab 1907 gab es einen eigenen Seelsorger in Strausberg. Sogleich sammelte man Gelder für einen Kirchenbau. Es soll Pläne von Josef Welz gegeben haben, die jedoch kriegsbedingt nicht zur Ausführung gelangten.

Die alte Kapelle in Strausberg, mit nur ca. 50 Sitzplätzen für 900 Seelen
Q: Bonifatiusblatt 1929. Nr. 2, S. 31
Nach dem 1. Weltkrieg war ein Vorankommen in Sachen Neubau schwierig. 1927 dann gelang der Durchbruch durch Aufnahme in die Vorzugsliste beim Bonifatiusverein in Paderborn. Der ab 1926/27 systematischer einzelne Kirchbauprojekte mit großen Summen und zu strengen Auflagen zu fördern begann.

Zeitgenössische Ansichtskarte (um. 1930), Außenansicht St. Josef
Q: PfArchiv St. Augustinus


Es kam zu Verzögerungen und Verteuerungen des Gesamtprojektes von Pfarrhaus und Kirche auf 100000 RM (statt 70000). Dennoch im Februar 1928 konnte der Bau begonnen werden. Dieses Mal nach Plänen von Carl Kühn, dem Delegaturbaurat. St. Josef wurde die erste Kirche seit langem, die keinen Notkirchencharakter aufwies.

Heutiger Zustand des Innenraum, deutlich sind die parabelförmigen Fensterbögen zu erkennen
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten, Foto: Frank Vetter

Wenn auch die Mittel beschränkt waren, so gelang es dem Baurat doch einen eigenständigen, wirkungsvollen Bau zu realisieren. Der rechteckige Grundriss von ca. 14x10m, der breite Turm, die Parabelbögen als Gestaltungselement außen wie innen und die durch Backstein gegliederten Bögen und Bänder an Kirche und Pfarrhaus schufen eine gelungene Baugruppe. Es entstand, idyllisch gelegen, eine repräsentative Stadtpfarrkirche. Die bereits im Oktober 1928 eingeweiht wurde.

Detail aus dem Fenster "Eucharistie" von Carl Busch, 1928
Q: Bildarchiv der Kunstbeauftragten, Foto: Frank Vetter
Besondere Erwähnung sollen die bauzeitlichen Fenster mit figürlich–szenischen Glasbildern zu den Sakramenten, mit Stiftungsinschriften, finden. Diese hatte der bekannte Glaskünstler Carl Busch aus Berlin-Südende entworfen.